Das Magazin für Totgesagte und alle, die länger leben wollen

Hermann Löns, es brennt die Heide!

Dieses Jahr begehen wir den 100. Todestag des großen Freidenkers, Naturliebhabers und Heimatdichters Hermann Löns. Drei bislang nicht zu unrecht unveröffentlichte Juwelen aus seinem Nachlass beweisen, wie sehr sich der couragierte Lokalpatriot mit der Lüneburger Heide verbunden fühlte:

Hasenliebe


Im roten Licht der Morgensonne scheint alles wie im Blute.
Die Heide glüht vor Lebenskraft – mir ist so wohl zu Mute.

Ein Häschen putzt im roten Gras
Sein flauschiges Gefieder,
Der kleine Rammler macht mir Spaß,
Ich beug mich zu ihm nieder.

Inzwischen scheint die Sonne hell,
Wir tollen über Wiesen,
Ich streichle ihm sein Flauschefell,
Nichts kann den Tag vermiesen.

Doch plötzlich hält der Hoppelhas’
Im vollen Laufe inne
Und reckt empor die Schnuppernas’
Zur Schärfung seiner Sinne.

Ein Wolf setzt grad zum Sprunge an,
Will mir den Garaus machen.
Doch das lässt in dem Mümmelmann
Den Todesmut erwachen.

Vom Wurf des Häschens hingestreckt,
heult er wie ein Gebläse.
In Isengrimmens Flanke steckt
Des Hasens Zahnprothese.

Das graue Untier zuckt nicht mehr,
Ich kann mein Glück kaum fassen.
Ich lieb den Hoppler um so mehr,
Will nimmer von ihm lassen.

So gegen sechse ungefähr
Wird’s Zeit fürs Abendbrot.
Drum hole ich mein Jagdgewehr
Und schieß den Hasen tot.

Im roten Licht der Abendsonne liegt still in seinem Blute
Der filetierte Mümmelmann – mir ist so wohl zu Mute.

Drum fahr ich in die Heide


Hannover ist ’ne große Stadt,
Wo ich die Ferne neide,
Ich fühle mich dort dauernd matt –
Drum fahr ich in die Heide.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein,
Ade, mein Großstadtleide,
Dein Glanz, der flößt mir Leben ein –
Drum fahr ich in die Heide.

Was fühle ich mich angeschwipst,
Wenn Du im grüne Kleide
Dich meinen Sinnen hinnegibst –
Drum fahr ich in die Heide.

Ich mach an einem Hügel Rast,
Das Moos ist sein Geschmeide,
Beendet ist nun Großstadthast –
Drum fahr ich in die Heide.

Ein kleiner Weiher liegt voran,
Der Grund schimmert wie Seide.
Die Tiefe zieht mich magisch an –
Drum fahr ich in die Heide.

Ein Ruf ermahnt mich zum Verzicht:
„Nun raus aus meiner Scheide!
Ein Kind von dir, das will ich nicht!“ –
Drum fahr ich aus der Heide.

Ich habe meinen Spaß gehabt,
Der Spaß reicht nicht für beide.
Die Heide ist jetzt eingeschnappt –
Drum meide ich die Heide.

meiner Zugehfrau Heidelore Elvers gewidmet

Heidelied


Ich sitze stumpf auf meinem Hocker.
Mein Gott, ist das hier öde!
Liegt’s etwa an dem Beta-Blocker
Oder werd’ ich langsam blöde?

Das Kaff ist hier so ausdruckslos,
Die Menschen schau’n sinister.
Sie lallen blöd – wen wundert’s groß?
Die Eltern war’n Geschwister.

Die Schnucken blöken in der Nacht,
Die Bäuerin schluchzt im Schlafe.
Zugleich beglückt mit aller Macht
Ihr Mann die weichen Schafe.

Die Zeit steht still, doch tickt die Uhr –
Es ist zum Haareraufen.
Man kann in dieser Pampas nur
Sich selbst zu Tode saufen:

„Hermann Löns, es brennt die Heide,
Hermann Löns, die Heide brennt!“
Dieses Trinklied bin ich leide,
Weil’s den Ernst der Lag’ verkennt!

Sollen fressen mich die Raben
Wenn ich fall im Feindesland.
Lieber tot im Schützengraben
Als an den Arsch der Welt verbannt.

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