Das Magazin für Kollateralschäden innerhalb der eigenen vier Wände

Der Lesetipp:

Heiter-besinnliche Literatur, die wo zum Nachdenken anregt, ohne dass man den Sonnenhut beim Lesen abnehmen muss

Anders Andersson

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und sich dabei sämtliche Knochen brach

Der rüstige Frührentner Albert Karlsson hat sich seinen hundertsten Geburtstag sicherlich anders vorgestellt. Anstatt mit seinen Freunden, die ihn liebevoll „alter Schwede“ nennen, seinen hundertsten Geburtstag zu feiern, steigt er in einem Anflug dementen Übermuts aus dem Fenster und stürzt auf die Straße. Das Glück scheint ihm hold, denn er wohnt im Kellergeschoss. Doch in diesem Moment walzt ihn eine entflohene Elefantendame nieder, die Hella von Sinnen gehörte oder ist. Als Albert im Krankenhaus frisch geschient wieder aufwacht, kann er sich an nicht mehr erinnern, weshalb ihn die Ärzte zunächst für Johannes Heesters halten. Während die drogensüchtige Krankenschwester Inga seine Hose auf Kleingeld filzt, träumt Albert, dass der Monitor, der seine Vitalfunktionen überwacht, ihn mit einem herzlichen „Du Scheißkerl!“ begrüßt und Episoden seines Lebens abspielt. Zum Beispiel, dass er am Tode Uwe Barschels schuld war, weil er als Hausmeister des Genfer Hotels Beau-Rivage zu Reparaturzwecken die rutschfeste Badematte entfernte. Oder dass er am Tode Jürgen Möllemanns schuld war, weil er sich einen Jokus mit dessen Fallschirm erlaubt hatte. Oder – schlimmer noch – dass er am Wembleytor schuld war, weil er als Platzwart beim Ziehen der Torlinie einen ordentlichen Schwips hatte. Und dann sieht er sich, wie er mit Inge Meysel händchenhaltend auf dem Sofa sitzt, während Erich Honecker Marilyn Monroe auf dem Nierentisch beherzt von hinten nimmt. Da schreibt sein EKG allerdings schon eine Nulllinie, und Albert hat endlich das Ziel seiner Reise erreicht.

„Ein Buch voller Magie, Wortwitz und poetischer Metaphern. Andersson zeigt uns, wie dicht Lachen und Weinen oftmals beieinanderliegen. Eine warmherzige Geschichte über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten unseres Menschseins.“ (Brigitte)

Rachel Price

Die unwahrscheinliche Shoppingtour der Mandy Frey

Dies ist die Geschichte der Mandy Frey, die eines Morgens aufsteht, um eine SMS an ihre beste Freundin Sandy zu schreiben, die mit einem dicken Bauch heute nicht zur Schule gehen kann. Sandy wird von ihrem Vater totgeprügelt werden, wenn er erfährt, dass das Kind von einem arbeitslosen Mechatroniker mit Migrationshintergrund gezeugt wurde. Doch statt die SMS abzuschicken, geht Mandy auf eine unglaubliche Shoppingtour, im festen Glauben daran, dass übermäßiger Konsum das Wachstum des Embryos aufhalten kann. So kauft sie sich einmal quer durch die Stadt. Dreiundzwanzig Kaufhäuser und 487.365,42 € überzogenen Dispo später kommt das Baby dann doch zur Welt. Der anschließende DNA-Test beweist aber wie durch ein Wunder die Vaterschaft des hiesigen Primark-Filialleiters Freddy. Mandy wird Patentante und schenkt der kleinen Commercia eines ihrer 87 neuen Handys.

„Ein Buch voller Magie, Wortwitz und poetischer Metaphern. Price zeigt uns, wie dicht Lachen und Weinen oftmals beieinanderliegen. Eine warmherzige Geschichte über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten unseres Menschseins.“ (Der Spiegel)

Hans Unrath

Und Gott sprach: Wir müssen lachen!

„Am achten Tag ging Gott eine Currywurst essen.“ Die chronisch untervögelte Frittenbudenbesitzerin Jutta Juxig staunt nicht schlecht, als sie der erfolglose Zirkusclown Kain Witts mit einer Psychotherapeutin verwechselt. Doch als er ihr eröffnet, dass er in Wirklichkeit Gott sei und über die Schlechtigkeit seiner Schöpfung das Lachen verlernt habe, wittert Jutta das Geschäft ihres Lebens. Mit ihrer Buletten-Parabel („Wir sind alle Gehacktes, aber mit ein paar altbackenen Brötchen und ein paar Zwiebeln wird da was recht Schmackhaftes draus“) zaubert sie ein flüchtiges Lächeln auf sein Gesicht. Und für einen Stundensatz von 3000,00 € zeigt Jutta ihm die Rosen auf dem Misthaufen des Lebens, jene hässlichen, siechen und hungernden Menschen in den Slums ihrer Stadt, die trotzdem so fröhlich und dankbar sind, wie ihr kleiner Neffe Scrubber, der sich mit seinem Bürstenhaarschnitt seine Drogen als Toilettenbürste im Bahnhofsklo verdient. Dieser kleine Scheißer erniedrigt sich so dermaßen selbst, dass Gott keine Hemmungen hat, ihm eine Sahnetorte in die triefnasse Fresse zu prügeln. Nach diesem Erfolgserlebnis kann er wieder im Zirkus auftreten und sein Publikum - wie schon seit Jahrtausenden - mit schlechtem Klamauk unterhalten. Zum Dank will Gott seiner Therapeutin eine unvergessliche Liebesnacht schenken – doch als er sie mit Clownshandschuhen ganz fest an sich ziehen will, glitscht die mit ranzigem Frittenfett eingeölte Imbisskönigin einmal durch das ganze Zimmer und stürzt aus dem Fenster. „Oioioi,“ denkt Gott und drückt auf die Hupe, „mit Maria hatte ich nicht so einen Spaß ...“

„Ein Buch voller Magie, Wortwitz und poetischer Metaphern. Unrath zeigt uns, wie dicht Lachen und Weinen oftmals beieinanderliegen. Eine warmherzige Geschichte über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten unseres Menschseins.“ (SUPERillu)

Sie sind der 102998191. Besucher seit den olympischen Winterspielen in Montreal.   

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