Das Magazin für Tabubrüche innerhalb der 30-km/h-Zone

Der Gesang der jungen Schwäne



Der traditionelle Höhepunkt der Eppelborner Literaturtage ist die Verleihung der „Kalliope“ an den vielversprechendsten deutschsprachigen Nachwuchsdichter. Die diesjährigen Preisträger sind:

Platz 5: Søren Dorn

Søren Dorn ist wahrscheinlich der Radikalste unter den Neo-Neo-Neolithikern. Er publizierte bereits im Alter von drei Monaten seinen ersten Schiss, studierte später BWL und Internationaler Terrorismus an der Universität Greifswald und spielt mit dem Gedanken, vorsätzlich gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen. Sein Gedicht beschreibt die seelischen Nöte, denen ein Adoleszenter ausgesetzt ist, wenn er in die Mühlen der Bürokratie gerät:

In An- und Abführung



Anführungszeichen:


angeführt
aktenkundig
ad acta


Abführungszeichen:

abgeführt
verarscht
wurscht

Platz 4: Enno Hocker

Der 22-jährige Wahlluxemburger Enno Hocker bekennt sich offen zu seiner homosexuellen Vorliebe für männliche Pflanzen. In Zeiten sexueller Toleranz möchte es ihm verziehen sein, wenn das ein oder andere Mal der Rhododendron beim Dichten mit ihm durchgeht ...

Grüne Boys aus Acapulco



Was wäre eigentlich,
wenn nicht ein A-Capella-Männer-Sextett
über einen kleinen grünen Kaktus
und Veronika der Lenz ist da,
sondern ein kleines grünes Männchen-Sextett
über den Acapulco-Kaktus
und Verona niert sich 'nen Lenz?
oder - männer noch - ein Lenztett
über Veronikas Sex mit dem Kaktus
in der kleinen grünen Kapelle
gesungen hätte -
?
Denk mal drüber nach!

Platz 3: MU

„Der Reim ist tot, es lebe der Reim!“ lautet das Credo des bekennenden Selbstdarstellers MU. Um auf sich aufmerksam zu machen, hat er deshalb die Konzepte des Anfangs- und Endreims öffentlich als gescheitert erklärt und den von ihm erfundenen Mittelreim zur Ultima Ratio erhoben. So lange die Fachwelt noch zu geschockt ist, um MU öffentlich als gescheitert zu erklären, reicht es immer noch zu einem guten dritten Platz.

TEL



HütTELdorfer ManTELträger
verzetTELn unTELegene,
inTELligent geschütTELte
MitTELreime.

Platz 2: Anna Kahl

Die international völlig unbekannte und an Nachwuchstörungen leidende Anna Kahl studierte Kaufrausch am renommierten Institut „Dolce & Gabbana.“ Nachdem ihr ihre Bank nach dem „Vorfall mit den Statdtwerken“ den Dispo aufgekündigt hatte, beschloss sie, statt einfach nur dumm aus der Wäsche zu gucken, genauso gut auch dichten zu können.

Geräuschkulisse: Auftritt Tod



Das bremsende Geräusch eines Lieferwagens,
doch keiner hält an.
Das klappende Geräusch einer Autotür,
doch keiner steigt aus.
Das schrille Geräusch einer Klingel,
doch niemand steht vor der Tür.
Das skrietschende Geräusch eines Stifts,
doch niemand quittiert.

Geisterpaketfahrer Schnitter:
In den Häusern sterben die Kunden
wie bestellt und nicht abgeholt
und singen: „Zalando!“

Platz 1: J.J. Aschenberg (†)

Jean-Jens Aschenberg sorgte bereits während der letzten Literaturtage für Aufsehen, als er seinen Gedichtband „Runter damit“ während eines Piss-Ins in einer öffentlichen Behindertentoilette herunterspülte und dabei das Rohr verstopfte. Dieses Jahr beschäftigte er sich aus aktuellem Anlass mindestens fünf Minuten lang intensiv mit dem Schrecken des Ersten Weltkriegs, verlor dabei jeglichen Halt und fiel vom höchsten Gebäude in Eppelborn. Zum Glück war es hoch genug, damit uns seine Lesung im nächsten Sommer erspart bleiben wird.

Why marry me republik?



1914
1915
1916
1917
1918
dann wurd' ich des Sterbens müd' –
und wollte lieber
Josephine Baker
ausgerechnet mit Bananen um die Hüften
tanzen
sehen

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