Das Magazin für Ziellose und solche, die es werden wollen

Ein Schiff wird kommen ...

Nicht weniger eine halbe Millionen Zuschauer haben sich selbst mit ihrem Besuch der Hamburg Cruise Days ihres moralischen Anspruchs auf Freizeit entledigt. Zweck dieses Volksfests der Kategorie "zeigt her, was wir nie kriegen werden" scheint es zu sein, den tumben Mob in gefühlte Schlagdistanz zu den Reichen und Schiffen dieser Welt zu bringen. Wir wissen nicht, ob die Tränen der Illusionen von den strömenden Massen vergossen wurden, weil sie im Schatten der Luxusliner plötzlich das Bewußtsein ihrer eigenen Unbedeutendheit im Universum erlangten, oder ob sie vom Veranstalter einfach zu nah ans Wasser gebaut wurden. Der Hansestädter selbst nimmt die Flut der Besucher mit geistiger Ebbe, die "gerne mal schiffen gehen", gelassen hin - denn er weiß, daß ein Kreuzfahrtsschiff auch nur ein Autobus ohne Räder ist und dass das Taschengeld der Lebenstraumtouristen in Hamburg „Tschüß“ sagt.



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Für alle, die ein wenig mehr Taschengeld dabei hatten, bot ein findiges Touristikunternehmen aus Hamburg-Altona einen speziellen Service an. Für 500,00 EUR durften Cruise-Days-Besucher für eine Stunde an Bord des Prunks und Protzes gehen, um niedere und umso karitativere Dienste im Kabinenservice der christlichen Seefahrt zu verrichten. Eine besonders beliebte Aufgabe war es, den oberen Zehntausend den Arsch abzuwischen, da das niedere Volk aus der norddeutschen Pampas das veredelte Tö-Papier als Andenken behalten durfte. Annemarie S. (38) aus Adelheidsdorf in der Samtgemeinde Wathlingen glaubt fest daran, daß der Beschiß Glück bringt und ist entschlossen, das handerarbeitete Souvenir aus dem Hamburger Hafen zur Taufe ihres Sohnes Sebastian ins Taufbecken zu legen. "Dann wird der Basti später mal Etagenkellner auf der Queen Mary!"

Sie sind der 124943641. Besucher seit der Einführung des 7/8-Takts.   

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