Das Magazin für die Wahrung des guten Geschmacks

Abgesang

dem Gregor, dem Füller gewidmet, auf den noch nie ein Mensch gehört hat ...


Große Erwartungen begleiteten die Uraufführung des Musicals "Money For Nothing" am gestrigen Abend in der Chemnitzer Oper. Und das Erfolgsduo Thießen / Fischer enttäuschte sein Publikum nicht.

Bereits im ersten Auftritt verbreitet der schofelige Sozialschmarotzer Shlomo Schmotzlerotz (gesungen von Karel Gott) mit seiner Soloarie "Wir versaufen unser Oma sein Klein-Häuschen" eine düstere Atmosphäre der Missgunst und des Sozialneids. Wir erfahren, wie er den Staat aussaugt, Millionen und Abermillionen Euro sozialer Leistungen für Alkohol und Prostituierte ausgibt und sogar noch einen erkläglichen Betrag für terroristische Anschläge zurückgelegt hat. Das Publikum buht zum ersten Mal voller Begeisterung.

Im nächsten Aufzug lernen wir die wackren Wirtschaftsforscher Professor van Hellsinn (Dieter Thomas Heck) und seinen anbiedernden Assistenten Adolf (Ilja Richter) kennen, die auf dem Weg zu Schmotzlerotzens fürstlichem Domizil in einem Münchner Villenviertel sind und erschöpft in eine Schwabinger Szenekneipe einkehren. Dort treffen sie auf den blinden, taubstummen, contergangeschädigten und impotenten Kunsttischler Gutfried Leichtglaub (Florian Silbereisen). Trotz seiner leichten Behinderung lebt Leichtglaub lieber von den wenigen Kröten, die ihm die schöne Spielzeughändlerin Elisa (Katja Ebstein) mitleidig für seine missratenen Tigerenten zahlt, als dass er dem Staat auf der Tasche liegen würde. Dafür bewundert Elisa ihn, und obwohl beide wegen der wirklich sehr scheußlichen Tigerenten am Hungertuch nagen, sind sie mopsfidel und singen das eingängige Duett von den "Hungry Hearts".

Schmotzlerotz tobt vor Wut, verzehrt er sich doch selbst nach dem unschuldigen Fleisch der braven Spielwarenverkäuferin. Vom Neid getrieben, hebt er vor der Kneipentür einen Orchestergraben aus, in den der blinde, taubstumme, contergangeschädigte und impotente Leichtglaub prompt hineinfällt und sich beide Beine bricht. In der Arie "Auf keinem Bein kann man nicht stehen" besingt der Gefallene die Pein, nun doch auf Stütze angewiesen zu sein. Professor van Hellsinn tröstet den tapferen Helden und zeigt ihm, dass man auch mit 132 Euro auskommen und dabei sogar noch Geld für eine sauteure Spezialoperation in den USA zurücklegen kann, mit der sich zumindest seine Erektile Dysfunktion beheben ließe.

Um dem fiesen Treiben des dreisten Schmotzlerotz ein für alle mal das verweigerte Handwerk zu legen, brechen Professor van Hellsinn und sein tumber Assistent Adolf heldenmutig in die Villa des Sozialsaugers ein. Zu den Klängen von "Let The Sunshine In" zerren sie den lichtscheuen Schmarotzer polkatanzend an das Tageslicht der Fernsehkameras, worauf dieser ungeprobt zu einem Häufchen Elend zerfällt. Unglückseligerweise gelingt es Schmotzlerotz vorher noch, seine Zähne unbemerkt in die schmächtigen Schultern des drögen Assistenten Adolf zu schlagen, wobei er den dramatischen Ohrwurm "Warte, warte, noch ein Bisschen!" intoniert. Adolf mutiert dabei selber zum Sozialschmarotzer und lässt sich von seinem Professor huckepack ins Wirtshaus zurücktragen.

Dort erwartet sie schon das unglückliche Liebespaar Gutfried und Elisa, die gerade erfahren haben, dass sie Betrügern aufgesessen sind und es gar keine Urologie-Fachklinik in der Wüste von Nevada gibt. Jetzt, wo die Ersparnisse futsch sind, wittert Adolf seine Chance, die beiden ebenfalls zu infizieren und preist in der Arie "Wie die Made im Speck" die Früchte des Sozialstaats. Elisa fühlt sich von der hypnotischen Faulheit des dreisten Assistenten magisch angezogen, doch Gutfried tritt beherzt dazwischen und hält dem Hartzvierler schützend seinen Sozialversicherungsausweis vor die geifernde Visage. Während Adolf wimmernd zurückfährt, erklärt Gutfried, dass es immer einen Ausweg gäbe, der nicht auf Kosten des Steuerzahlers ginge, und so beschließen die beiden ihren heldenhaften und sozialverträglichen Freitod. Weinend liegen sie sich in den Armen und singen "Lieber mutig abgedrückt, als ab in'n Knast und Arsch gefickt." Dann ertränken sie sich qualvoll, denn mehr als eine Wasserpistole konnte sich Gutfried nicht mehr leisten.

Im letzten Bild sehen wir die aufgebahrten Körper des im Tode vereinten Liebespaars. Der Chef der Agentur für Arbeit (Jürgen Drews) schwebt herab und spricht sie scheinheilig. Daraufhin fahren die beiden zusammen mit den missratenen Tigerenten zum Himmel hinauf. Gutfried ist voll des Glücks, dass er jetzt, von seinen irdischen Behinderungen befreit, im Paradies so richtig ranklotzen kann. Der Chor singt abschließend die Pop-Ballade "Lieber tot als rot!".

Nachdem sich der Vorhang gesenkt hatte, brandete ein zorniger Volkssturm auf. Begleitet von Standing Ovations und andauernden "Sieg-Heil"-Rufen wurden die Akteure unzählige Male auf die Bühne gerufen, um die Darsteller des Adolfs und des Schmotzlerotz zu lynchen. Weitere Vorstellungen finden an allen sieben Werktagen statt, die Karten kosten zwischen 180 und 350 Euro, Hartz-IV-Empfänger haben freien Arschtritt.

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