Das Magazin für die deutsche Frühstückspause

Prima Revolutionsklima

Wenn sich führende Regierungspolitiker heutzutage für eine große Revolution aussprechen, denken sie dabei selten an den Klimaschutz. Brennende Barrikaden, verwesende Revolutionsopfer und selbstgebastelte Molotow-Cocktail würden den CO2-Gehalt in der Atmosphäre um geschätzte 36% steigern. Die Folge wäre eine schlagartige Erhöhung des Meeresspiegels, was bedeuten würde, dass die Manager in Nord- und Westdeutschland zur Guillotine schwimmen müssten.

Der Bericht "Revolution und Umweltschutz 2009", der im Auftrag des Deutschen Bundestags von der Forschungsgruppe "Sauberer Schnitt" erstellt wurde, listet in einem 12-Punkte-Plan erstmals mögliche revolutionsspezifische Umweltschäden auf und zeigt Lösungswege auf:

  1. Die Forschungsgruppe zeigt Verständnis für den folkloristischen Brauch, "Die-da-oben" zu lynchen. Sie bittet die teilnehmenden Revolutionäre allerdings, die anfallenden Kadaver in speziell entwickelten Leichensäcken zu entsorgen, damit austretende Faulgase nicht die Atmosphäre verschmutzen. Auf öffentlichen Plätzen sollen darüber hinaus Container aufgestellt werden, in denen Großkopferte, die plötzlich den Kopf verloren haben sollten, problemlos entsorgt werden können – ähnlich den gängigen Abfallbehältern für Hundehäufchen.
  2. Die Forschungsgruppe schlägt vor, das Benzin in den Molotow-Cocktails durch umweltfreundliche Alkoholverbindungen zu ersetzen.
  3. Die Forschungsgruppe weist darauf hin, dass gute Gartenscheren in ihrer Nahkampfeffizienz den benzinbetriebenen Kettensägen nur wenig nachstehen, in Nachrevolutionszeiten aber auch zum Beschneiden von Apfelbäumchen taugen.
  4. Forschungsgruppe bezweifelt, dass brennenden Barrikaden in Zeiten modernster Löschtechnik mehr als ein symbolischer Wert innewohnt. Alternativ können sie auch mit elektrischen Lichterketten und Lametta geschmückt werden.
  5. Die chungsgruppe weist Plünderer darauf hin, dass Supermärkte gezwungen sind, Umverpackungen vor Ort zu entsorgen. Die dafür vorgesehenen Müllcontainer finden Sie meistens in der Nähe des Ausgangs. Falls Sie den Ausgang nicht finden, weil Sie durch die zertrümmerte Fensterfront des Geschäfts eingestiegen sein sollten, wenden Sie sich bitte hilfesuchend an den Filialleiter. Er ist auch Ihr erster Ansprechpartner, falls Sie Fragen zur korrekten Mülltrennung haben sollten.
  6. Die Forschungsgruppe regt an, dass die Auslandskonten der Revolutionsfeinde nur mit Gefrierschränken der Energieeffizienzklasse A++ eingefroren werden.
  7. Die Revolutionskomitees sind gehalten, besonders häufig verwendete Formularblätter wie die Formulare 13/27-XVII (Formloser Antrag auf Enteignung), 15/113a-XXII (Antrag auf Rente für die Hinterbliebenen von Revolutionsopfern) oder 29/01-CXIII (Antrag auf die Gründung einer eigenen Hanfplantage) ausschließlich auf umweltfreundlichem Papier aus recycelten Aktien drucken zu lassen.
  8. Einen Bayrischen Sonderweg wird es nicht geben, denn Sonderwege sind immer mit vermehrtem Spritverbrauch verbunden.
  9. Revolutions-Merchandisingartikel wie Revolutionsfahnen, Revolutions-T-Shirts, Revolutionsbier oder Revolutionsposter, die die Revolutionsführerin Angela Merkel mit entblößter Brust die Revolutionsfahne tragend zeigen, werden nach den Vorstellungen der Forschungsgruppe mit einer Umweltabgabe besteuert. Die Forschungsgruppe gibt außerdem zu bedenken, dass die massenhafte Verbreitung der besagten Poster auch ein ästhetisches Problem darstellt.
  10. Die Forschungsgruppe warnt davor, die hungernden Massen im Revolutions-Erfolgsfall mit Brot zu versorgen. Die darin enthaltenen Treibmittel führen zu einer massiven Schädigung der Atmosphäre. Sie sollten lieber Kuchen essen, solange sie die Sprühsahne weglassen.
  11. Die Forschungsgruppe ist sich der besonderen Problematik der Lärmbelästigung bewusst. Sie bittet den aufgebrachten Pöbel deshalb, nicht wieder so laut "Wir sind das Volk!" zu schreien. Ein geflüstertes "Wir sind's nur" tut's auch.
  12. Da Massen-Freilichtveranstaltungen wie Revolutionen häufig mit einem hohen umweltschädigenden Verkehrsaufkommen verbunden sind, regt die Forschungsgruppe an, die Revolution live im Fernsehen zu übertragen. Dort können die Zuschauer mittels TED über den Ausgang der Revolution per Telefon abstimmen. Gleichzeitig dürfen sie die Mitglieder einer Castingband wählen, die den offiziellen Revolutionssong singen darf ("Dies ist die Wende, nie wieder Dividende!", ab Montag im Handel erhältlich).

Die Bundeskanzlerin und designierte Revolutionsführerin Angela Merkel begrüßt die Arbeit der Forschungsgruppe "Sauberer Schnitt", wendet sich aber gegen eine allzu konsequente Auslegung des 12-Punkte-Plans: "Umweltschutz ist wichtig – schließlich sind wir es unseren Kinderinnen und Kindern schuldig, ihnen einmal eine saubere Revolution zu hinterlassen. Aber so eine Revolution ist doch auch etwas fürs Gemüt, die will man schließlich genießen. Ich, die ich persönlich durch eine Revolution, mit der ich eigentlich nichts zu tun hatte, an die Macht kommen musste, weiß es zu schätzen, nunmehr eine Konterrevolution anzuführen, die mich meinen Jugendidealen aus alten FDJ-Zeiten nach zwanzig Jahren Unrechtsherrschaft wieder näher bringt. Und ich wünsche mir, dass meine Mitrevolutionärinnen und Mitrevolutionäre dieses Ereignis genauso feiern können, wie ich selbst. Ich bin mir ganz sicher: mit ein klein wenig Umweltschutz im Hinterkopf und viel Sonne im Herzen werden wir Germany's Next Sommermärchen erleben!"

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