Das Magazin für Menschen, die sich neu erfinden wollen

Was wissen Sie schon von Ihrem Nachbarn?

Gedanken eines Bundesinnenministers

Die Deutschen sind ein vergessliches Volk. Noch keine acht Jahre ist es her, dass islamische Terroristen die freie Welt in ihren Grundfesten erschüttert haben. Aber wer denkt heute noch daran? Lotto-Jackpot, Twittern und Firmenpleiten sind – um es in der fürchterlichen Jugendsprache zu sagen – "in", Fundamentalistenangst hingegen "megaout". Imame, die von der Kanzel der hiesigen Dorfkirche zu uns predigen – das können wir uns nicht vorstellen. Aber das unsere christliche Autoindustrie die Atmosphäre vergiftet – das glaubt jeder. Ja, Herr im Himmel, müssen wir wirklich erst eine unserer Linienmaschinen in eine Wohnhaus lenken, damit das Deutsche Volk die Terrorismusgefahr ernst nimmt? Und könnte es nicht auch Ihr Haus sein, das dabei getroffen wird?

In Wirklichkeit sind wir praktisch umzingelt von islamistischen Schläfern. Natürlich sind sie gut getarnt, damit niemand auf die Idee kommt, dass es sich bei Ihnen um Schläfer handeln könnte. Nur im Ernstfall streifen sie sich ihre Uniformen über: Schlafanzüge für die Männer, Nachthemden für die Frauen. Im alltäglichen Leben jedoch ist der al-Qaida-Kämpfer vom normalen Bundesbürger kaum zu unterscheiden.

Einige wenige Merkmale gibt es allerdings schon: der finstere Gesichtsausdruck, die Abneigung gegenüber Schweinefleisch und natürlich das Kopftuch. Wenn Sie beispielsweise eine Frau mit Kopftuch in ihrem Vorgarten stehen sehen, rufen Sie besser die Polizei oder erschießen sie wenigstens. Was, es handelt sich um ihre Schwiegermutter beim Narzissenpflanzen? Das kann ja jeder behaupten. Aber können Sie sich wirklich sicher sein, wer sich dort unter der Burka befindet? Und was, wenn Ihre Schwiegermutter zum Schläfertum konvertiert ist? Yusuf Islam hieß in besseren Zeiten schließlich auch mal Cat Stevens ...

Natürlich gibt es Berufe, in denen Schläfer so gut wie gar nicht auffallen. Als Nachtwächter können sie beispielsweise den ganzen Tag schlafen und nächtens im Dunkeln ungestört vor sich hin munkeln. Studenten schlafen auch fast den ganzen Tag, manchmal sogar die ganze Woche. Und ich möchte gar nicht wissen, wie viele Schläfer unsere Behörden infiltrieren. Die können da praktisch ihr ganzes Leben schlafen, ohne aufzufallen. Und dann drückt irgendein Scheich auf die rote Taste, und die Zelle im Finanzamt wird aktiv. So ein ausgeschlafener Schläfer kann ja in kürzester Zeit Hunderte von Einkommenssteuererklärungen vernichten und damit die ganze Republik ins Chaos stürzen.

Aber wo versteckt der Wolf sich am besten vor seinen Feinden? Richtig! - Unter anderen Wölfen. Intellektuelle, Künstler, Kommunisten, Globalisierungsgegner, Arbeitslose, Agitatoren – das ganze Gesockse ist doch ohnehin schon so verdächtig, dass man bei ihnen nie auch noch auf den Verdacht des Islamismus kommen würde. Oder würden Sie vermuten, dass die rote Socke von nebenan eigentlich auf der Soldliste Bin-Ladens stehen könnte? Sehen Sie – und genau deshalb müssen diese Subjekte – was sag' ich?: – Objekte ständig beobachtet werden.

Das kann ein Bundesnachrichtendienst allein natürlich nicht leisten. Deshalb sind Sie alle eingeladen, bei Ihren Nachbarn nach Herzenslust herumzuschnüffeln. Was glauben Sie denn, warum der liebe Herrgott den Türspion erfunden hat? Beobachten Sie die Vorgänge im Haus rund um die Uhr. Machen Sie sich Notizen, wann wer wie wo und mit wem. Vielleicht geben Ihnen Ihre Nachbarn für die Zeit Ihres Urlaubes auch mal ihren Schlüssel, damit Sie die Blumen hüten können? Dann lassen Sie sich bei dieser Gelegenheit doch gleich einen Zweitschlüssel anfertigen, damit Sie die Wohnung des mutmaßlich Verdächtigen auch jederzeit von innen observieren können. Sind die Betten bequem genug für richtige Schläfer? Offenbaren die Kontoauszüge verdächtige Transaktionen (Schläfer verdienen ihr Geld meistens schwarz)? Besitzen Ihre Nachbarn eine Waffe, Chemikalien oder wenigstens einen Dildo? Liegen irgendwo ominöse Konstruktionspläne oder Fotografien von strategisch wichtigen Gebäuden herum (z.B. eine Kirche im Hintergrund eines Hochzeitsbildes)? Sind Ihre Nachbarn Mitglieder einer freiheitlichen Partei oder sympathisieren Sie mit uns? Finden Sie in der Nachtischschublade eine Taufurkunde oder im Spülbecken den Rest einer Vorhaut? Oder gar nichts von alledem? Das ist natürlich besonders verdächtig, da es sich in diesem Fall um außergewöhnlich gut ausgebildete Schläfer des inneren Zirkels – die sogenannten "Schnarcher" – handeln könnte.

Was auch immer Sie finden, um Ihre Nachbarn in die Pfanne zu hauen – gehen Sie damit unverzüglich zur nächsten Polizeidienststelle und erstatten Sie Meldung. Ich weiß, für dieses Petzen gibt es viele unrühmliche Ausdrücke, von denen das Wort "Denunziantentum" noch das geschmeicheltste ist. Aber ich würde es eher "Interesse am Mitmenschen" oder "Praktizierte Nachbarschaftshilfe" nennen. Vielleicht entdecken Sie ja auf einem Ihrer Streifzüge Ihren Nachbarn, wie er mit einem Herzinfarkt zusammengesackt auf dem Teppich liegt, und Sie können noch rechtzeitig den Notarzt rufen. Wenn er mit dem Gesicht nach Westen liegt, haben Sie einem Unschuldigen das Leben gerettet. Zeigt sein Gesicht Richtung Mekka, können ihn die Sanitäter immer noch verrecken lassen.

Sie sehen, wie wichtig es ist, sich im richtigen Moment einzumischen. Helfen Sie mit, Ihr Vaterland ein Stückchen christlicher zu machen. Manchmal muss man der Freiheit Ketten anlegen, um sie zu beschützen.

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