Das Magazin für Sozialschmarotzer und sonstiges Gesinde

Die Fütterung den Profis überlassen

Durch einen einfachen Kniff werden unsere Gewässer wieder algenfrei

„Mama, wir wollen Schwimmen gehen!“ Wütend wirft der kleine Jason Conny Müller mit voller Wucht seinen Widget Spinner an den Kopf. Die alleinerziehenden Mutter kann sich noch gut an diese Episode erinnern, in der die Wut über die Entscheidung der Stadt gipfelte, den bei den Kindern so beliebten Baggersee zu sperren.

Überall in Deutschland werden Kiesteiche und Badeanstalten wegen des Blaualgenbefalls für den Publikumsverkehr geschlossen. Aber es gibt auch Ausnahmen: Ausgerechnet der Maschsee, die Güllepfütze im Herzen Hannovers, überrascht den skeptischen Badefreund urplötzlich mit herausragender Wasserqualität. Doch was sind die Gründe dafür?

„Das hängt ursächlich mit dem Fund von Leichenteilen im Jahre 2012 zusammen“, erklärt der Diplom-Ökologe Ansgar Lüttgenhaus bei einer Tasse Maschseewasser. „Um zu verstehen, warum die Blaualge auf dem Vormarsch ist, muss man die menschgemachten Veränderungen der letzten hundert Jahre betrachten. Damals war es noch an der Tagesordnung, dass ein unmoralisches Frauenzimmer ins Wasser ging, sobald sie geschwängert und sitzengelassen wurde. Doch die Fortschritte in der Abtreibungsmedizin, die Erfindung der Pille und die Einrichtung von Babyklappen haben empfindlich in das Ökossystem unserer Gewässer eingegriffen. Fleisch- und aasfressende Fische zogen sich aufgrund des unattraktiven Nahrungsangebots mehr und mehr zurück, so dass die pflanzenfressenden keine natürlichen Feinde mehr hatten. Die daraus resultierende unkontrollierte Vermehrung führte zum ihrem Massensterben und damit zur Überdüngung der Seen und Teiche. Die Blaualge hatte leichtes Spiel.“

Während in den meisten deutschen Binnengewässern einheimische Raubfische wie Piranhas, Barrakudas und Payaras so gut wie vollständig ausgestorben sind, wurden im Maschsee inzwischen sogar wieder Haie gesichtet. Auf die Frage, ob die gute Wasserqualität noch ins Gewicht falle, wenn man jederzeit Gefahr läuft, von einem Killerhai attackiert zu werden, stellt ein Rettungsschwimmer der DLRG klar: „Wer den Haien nichts tut, muss auch keine Angst haben, dass sie ihm ein Leid zufügen. Außerdem ist die Dichte an geisteskranken Serienmördern in der angrenzenden Südstadt so hoch, dass die putzigen kleinen Knorpelfisch in der Regel viel zu satt sind, um die Besucher unseres Strandbads anzugreifen.“ Auf die Unterschenkelprothese angesprochen, die der Bademeister seit dem letzten Haiangriff tragen muss, antwortet er lachend: „Das ist sieht schlimmer aus, als es ist, Der Hai wollte doch nur spielen.“

Ansgar Lüttgenhaus geht davon aus, dass inzwischen in jedem stehenden Gewässer, das algenfrei ist, in den letzten fünf, sechs Jahren menschliches Aas versenkt wurde. Ein Sprecher der Polizei möchte das nicht ausschließen: „Wir beobachten des öfteren Banden oder auch Einzeltäter, die Säcke mit menschlichen Körperteilen in die Kiesteiche werfen. Da drücken wir gerne mal ein Auge zu, denn meistens handelt es sich bei den Geschädigten ohnehin nur um irgendwelche Junkies, Nutten, Bastarde oder Mafiosi, die auf diesem Wege der Gesellschaft wenigstens einmal etwas Gutes zurückgeben können.“ Lüttgenhaus warnt allerdings vor einem zu großem Eifer der Bevölkerung, selbst in die komplexen Ökosysteme eingreifen zu wollen: „Ich habe schon mehr als ein mal beobachtet, dass Naturfreunde ihre tote Oma oder ihren krebskranken Bruder im See versenken wollten. Wenn ich sie darauf ansprach, antworteten sie: ‚Wir meinen es doch nur gut!‘ Aber gut meinen, ist nicht gut machen. Das ranzige Fleisch von alten Menschen vertreibt die Fische ebenso wie die Zytostatika im Blut von Krebsopfern. Am besten überlässt man die Fütterung Profikillern, die etwas von ihrem Job verstehen. Wer unbedingt helfen will, kann einen von diesen jungen Männern ins Wasser stoßen, die immer noch glauben, dass es cool aussehen würde, mit einem Dutt am Strand entlangzulaufen. Sobald sich der Haarknödel mit Wasser vollsaugt, geht das Frischfleisch unter wie der Hamburger SV, und obwohl die Fische schon aus Prinzip keine Hipster fressen, so freuen sich doch zumindest die umstehenden Kinder, wie schön der taffe Typ doch strampeln kann.“

Auch Conny Müllers Kinder freuen sich, dass ihr Badeteich dieses Jahr wieder für den ungetrübten Badespaß geöffnet wurde. „Schau mal Mami, ich habe einen Fuß gefunden!“, ruft der kleine Jason entzückt. „Damit können wir doch Fußball spielen“, schlägt Dylan vor. Ihre Mutter holt eine große Tupperschüssel aus der Fahrradtasche: „Aber erst mal essen wir Nudelsalat.“ - Der Sommer ist gerettet!

Sie sind der 351543547. Besucher seit Ewigkeiten.   

Impressum & Datenschutz


Vorheriger Artikel  : Vorheriger Monat

Impressum & Datenschutz