Das Magazin für die deutsche Frühstückspause

Wie viele Giannis stecken in einem Infantino?

Wie viele Giannis stecken in einem Infantino? Urs Villinger putzt umständlich seine Brille: „Nein, dass kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so einer wie der Gianni mir nichts dir nichts die FIFA verkauft. Ich kenne ihn ja schon, wie er als Kind an meinem Kiosk Panini-Bilder gekauft hat, und wie er mit den anderen Kindern droben auf der Rosswald-Alm das WM-Finale von ‘78 nachgekickt hat. Nein, der Gianni ist ein guter Junge, der würde so etwas Böses nicht tun.“

So wie der alte Villinger denken viele im beschaulichen Brig. Manch einer glaubt, dass Außerirdische den Gianni entführt und umprogrammiert haben. Andere sind der Meinung, dass die Triaden ihn unter Druck setzen. Urs Villinger glaubt eher an eine dissoziative Persönlichkeitsstörung: „So viel Größenwahn und kriminelle Energie – das schafft keiner ganz alleine.“

Gianni Infantino lacht, als er mit dieser Theorie konfrontiert wird: „Nein, ich bin ganz bestimmt nur der gute Junge, der auch jetzt am liebsten mit den anderen Kindern Fußball spielen oder bei einem Glas frischer Ziegenmilch mit dem Urs über … Sie entschuldigen? Staatsanwalt Arnold ist am Telefon.“ Infantino wickelt einen Lolli aus und führt in genüsslich zum Mund. „Rinaldo? Kojak hier, Schätzchen. – Nein, ich habe nichts Neues herausgefunden und glaube mir, wenn es hier irgend etwas zu entdecken gäbe, dann hätte ich schon den ganzen Laden hochgenommen. Aber ich würde meine Hundemarke darauf verwetten, dass hier bei der FIFA niemand krumme Dinger dreht.“ Der Präsident des Weltfußballverbandes wirft den Telefonhörer lässig von einer Hand in die andere und nimmt seinen Monolog wieder auf: „Ich weiß noch, damals in Manhattan ...“ Er verschluckt sich und spuckt den Lolli aus. „ … damals auf der Rosswald-Alm, als ich immer als letzter ins Team gewählt wurde, weil ich zwei linke Füße … Sie entschuldigen? Procter & Gamble wollen mich kurz sprechen.“ Während der FIFA-Boss mit der einen Hand zum Telefon greift, setzt er sich mit der anderen einen Ohrring in sein linkes Ohr. „Meister Proper am Apparat. Ah, gut das sie anrufen. Ich wollte ihnen noch mal für mein neues Saubermannimage danken. Das war gar nicht so einfach, mich vor der Ethikkommission reinzuwaschen, aber Meister Proper putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann – außer ich mich selbst natürlich, weil Vampire ja kein Spiegelbild werfen. Haha, Spaß muss sein …“ Der Weiße Riese des weltgrößten Sportverbandes säubert den Telefonhörer mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger und legt den Ohrring wieder zurück in die Schmuckschatulle. „Spaß muss sein! Das erinnert mich an die brennende Raviolidose, die wir der Ziege mal an den Schwanz gebunden … Sie entschuldigen?“ Bevor der etwas käsegesichtige Fußballfunktionär allerdings erneut den Hörer abnimmt, legt er sich fünf Minuten unter die Sonnenbank. Dann streckt er sich auf einer Isomatte aus und nimmt den Anruf endlich entgegen: „Detlev D? Soost hier. – Mezut, schön dich zu hören. ­– Was? Nein. Natürlich nehme ich die Mandy Capristo nicht zurück. Ich habe dir damals schon gesagt: Keine Garantie, kein Umtausch! Wenn sie dich weiterhin stalkt, musst du ihr halt eine reindreschen, das habe ich bei ‚Popstars‘ auch immer so mit ihr gemacht. – Und wenn der Jogi dich stalkt, musst du ihm auch eine fenstern. – Alter, war schön, dir mal wieder ein paar Karrieretipps geben zu können, aber ich muss zurück an meine Hanteln. Keep Smiling und PUMP, PUMP, PUMP!“ Der eingebildete Jurist schaut etwas überrascht auf die Hantel in seiner linken Hand und versucht sie vergeblich anzuheben. „Als Kind war ich eher etwas schwächlich. Die anderen Jungens haben mich ‚Meitschi‘ genannt und manchmal auch ganz schön vermöbelt, weil ich mich nicht wehren … Sie entschuldigen ganz kurz? Die Wettmafia lässt sich nur sehr ungern vertrösten.“ Infantino setzt einen strengen Blick auf und setzt eine Trillerpfeife an seine Lippen. „FIFA-Schiedsrichter-Kommission, sie sprechen mit Pierluigi Colina – Das Spiel zwischen Eschen-Mauren und Triesenberg soll 2:0 für die Gäste enden? Ich will sehen, was ich tun kann. Allerdings kenne ich den Schiri. Ein ziemlich integrer Mann. Das wird nicht billig werden. Und ich lebe schließlich auch nicht nur von Luft und Liebe ...“ Infantino legt nachdenklich den Hörer beiseite. „Wissen sie, die vielen Geschäfte fressen einen auf. Manchmal sehne ich mich in die Zeiten zurück als ich noch … nicht schon wieder das Telefon!“ Sein Kopf läuft rot an und in seinem linken Auge platzt eine kleines Äderchen: „Ja, der Ulli hier … Herrschaftszeiten, schon wieder diese lästige Journaille? Die schleif ich vor den Kadi, die wolfe ich zu Bratwurst! Der Fußball hat schließlich auch ein Recht auf seine Menschenwürde, und ich allemal. Irgendwelche Geheimpläne, dass der FC Bayern München für die nächsten hundert Jahre in seiner ganz eigenen Liga spielt und Universums-League-Dauerchampion wird, gehen die gar nix an. Sag dem Schreiberling, er soll heute gegen sechs ins Vereinsheim kommen, da werden wir das Problem dann ein für alle mal aus der Welt schaffen.“ Infantinos Gesicht nimmt wieder eine gesündere Farbe an, während er seine eigene Nummer wählt. Er klebt sich auf die Schnelle einen Bart ins Gesicht und wickelt sich einen Turban um den Kopf, bevor er hoheitsvoll abnimmt: „Hier spricht seine Eigenmächtigkeit Prinz Salman ibn Abd al-Aziz, glänzendster Stern des Morgenlandes und Behüter aller Gläubiger und Fußballenthusiasten. – Ulli? Kollega, wie schön, dich zu hören. – Kein Problem. Wenn du sagst, dass du seinen Kopf auf seinem Silbertablett serviert bekommen möchtest, dann werde ich das Tablett noch mit Diamanten einfassen und die Augen des räudigen Hundesohns durch große Smaragde ersetzen. Aber eine Hand wäscht bekanntlich die andere. Auch wenn das nur ein Sprichwort ist, da du meine hoheitliche Hand noch nicht mal im Traum mit deinen Wurstfingern berühren dürftest. Du unterstützt mich dafür dann doch bei der Vergabe der Fußball-WM für die nächsten hundert Jahre? – Wunderbar. Heute Abend um sechs in eurem Vereinsheim. Ich werde sofort meinen besten Mann schicken.“ Bart und Turban werden durch eine Schirmmütze und eine schwarze Augenmaske ersetzt: „Panzerknacker 176-671 am Apparat. – Aber natürlich, Eure allerheiligste Scheinheiligkeit, haben wir Daniel Düsentrieb noch in der Mache, und er hat bereits einige ganz brauchbare Ideen gehabt, wie wir die FIFA noch besser abzocken können. – Was, er soll eine Maschine erfinden, die einen Leichnam am besten in Luft auflöst? Was spricht denn gegen Säure? – Ach so, der Ulli will keine Löcher in seinem Teppichboden. Will schauen, was ich machen kann. Entschuldigen sie, Ihro durchgelaugtester Durchschuss, aber ich habe einen Anruf auf der eigenen Leitung ...“ Infantinos Teint spielt plötzlich ins Bläuliche: „Fantomas hier. Ich wollte mal nachfragen, ob dieser Düsentrieb inzwischen die Pläne für den neuen Turbo-Raketenantrieb fertiggestellt. Damit wird mich Interpol niemals erwischen, NIEMALS! UND ICH WERDE DER MÄCHTIGSTE MANN AUF DER WELT SEIN! HAHAHAHA!“

Das irre Lachen mündet in einem fürchterlichen Husten. Der mächtigste Mann auf der Welt hat sich an seinem eigenen Größenwahn verschluckt. Und plötzlich scheint Infantino um Jahrzehnte zu altern, er versinkt förmlich in seinem Ledersessel und dem überzeugten Glatzenträger wachsen aus lauter Verzweiflung ein paar schüttere graue Haarbüschel. „Wie lange muss ich noch diesen irren Infantino spielen, bevor sie bei der FIFA merken, wie gut sie es eigentlich unter mir hatten“, fragt sich ein sichtlich gezeichneter Sepp Blatter. „Manchmal sehne ich mich in die Zeiten zurück als ich noch mit den anderen Jungens Fußball spielte, keine Gastarbeiterkinder mit zwei linken Füßen in mein Team wählte, sie Meitschi nannte und vermöbelte und der Ziege von diesem Makkaroni mal die brennende Raviolidose an den Schwanz gebunden habe ...“

Sie sind der 580370899. Besucher seit den olympischen Winterspielen in Montreal.   

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