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Neues von der Dichterfront

Der jüngste Lyrik-Schreibworkshop der FAZ-Feuilletondichter in Niederschleissheim beweist: unser Nachwuchs ist auf dem besten Wege, sich von richtigen Dichtern kaum noch unterscheiden zu lassen. Hier eine kleine Auswahl neuer Sterne am Firmament des Poesiehimmels:

Kilian Pasterius gilt als das Wunderkind unter den Schriftvergewaltigern. Sein lyrisches Ich ist so groß, dass er im Freundeskreis gerne einmal damit prahlt, in einem hermetisch verschlossenen Raum ohne technische Hilfsmittel und mit geschlossenen Augen gleich fünf seiner Gegner gleichzeitig durch das Rezitieren seiner Gedichte in die Flucht schlagen zu können. Sein Anfang des Jahres erschienenes Erstlingswerk "IchDuWer?SieEs" beweist, dass er sich wirklich für nichts zu schade ist. Hier eine Leseprobe:

volle Packung

Emotionale Nähe
- emotional und zugenäht -
mit der Zunge wörtlich verknotet.
ritsch-ratsch! macht es.
und dann rutscht ihm die Hose ins Herz.


Moritz Asmus ist das Enfant terrible unter den deutschen Gelegenheitsdichtern. Als gelernter Klempner kannte er sich bereits mit jeder Form der Dichtung aus, als er 1998 die Literatur für sich entdeckt. In diesem Jahr schenkte ihm nämlich seine Schwester Doris das Buch "Jim Knopf und die wilde Dreizehn". Seitdem kreist sein poetisches Schaffen um die Bewältigung seiner Kindheitstraumata und die Frage, warum er immer noch so gerne Fliegen bei lebendigem Leibe die Flügel ausreißt. Sein 2007 erschienener Band "Stahlgewitterziegen", aus dem auch das nachfolgende Gedicht stammt, brachte ihm wenig Lob, aber dafür haufenweise Klagen ehemaliger Mitschüler ein, die es sich verbaten, namentlich genannt zu werden.


Das war Spitze
(in memoriam 1975)

- Brauner Bär -


Am Kiosk
für fünf Groschen, kaum mehr,
und Karamelleis mit zartschmelzendem Kern
und die Mädchen spielten Gummitwist.

- Brauner Bär -


Jutta Schinkowski
sie fünfzehn, kaum mehr,
und als ich ihr in den Schritt packte
und es erektional nach Karamelleis schmeckte:


Schokoladenüberzug an der Spitze. -


Inse Nägele-Heisterberg ist die wohl bedeutendste Vertreterin der postfeministischen und prämenstruellen, bzw. der präfeministischen und postmenstruellen, auf jeden Fall aber der ovarsemiotischen und meinetwegen auch der prärafaelitischen Schule. Das Thema eines follikelsprunggesteuerten weiblichen Sozialismus zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Gesamtwerk, wie das folgende Gedicht aus dem 2008 erschienen Band "Der große Menstruator" beweist:


zyklus B

mein tampon
zug-um-zugbändig
geschwungene rillen
leiten vergangenes
komfortabel und geruchsneutral
in das innere
der zukunft

ich sehe der wahrheit ins gesicht
und denke
rot


Winfried E. Teltke lernte erst 85-jährig im Rahmen einer Japan-Reise das Haiku kennen und wertschätzen. Angetan von der Prägnanz der Versform trachtete er nach seiner Rückkehr danach, das Haiku auch im mitteleuropäischen Raum zu etablieren. Zu diesem Zweck gründete er 2006 die "Winfried-E.-Teltke-Stiftung für Haiku". In den darauffolgenden Jahren gewann er dreimal in Folge den Preis für das "Beste moderne Haiku" der "Winfried-E.-Teltke-Stiftung für Haiku". Seine Faszination für diese asiatische Spielart des schottischen Limericks beschrieb Teltke einmal wie folgt: "Kurz wie ein Japsen-Schwanz!" Mit dem untenstehenden Haiku "haiku" aus dem 2009 erschienenen Gedichtband "haiku" schießt Teltke mit Sicherheit das Sushi ab:


haiku.

ein haiku ist kurz.
es sind nur drei verszeilen.
also ist das kein

haiku.


Lutz von O. hat bei so berühmten Dichtern wie Tim Mälzer, Johann Lafer und Horst Lichter das Kochen gelernt. Seine Küchenverse gelten als besonders geschmackvoll und reichhaltig. Seine Gedichtsammlung "Fett ist ein Geschmacksträger" – aus der auch das nachfolgende Gedicht "Schmorgurken" ausgewählt wurde – hat den jungen Osnabrücker über Nacht zum Shootingstar der Deutschen Küchenpoesie aufsteigen lassen:


Schmorgurken

1 kg Schmorgurken
400 g Hackfleisch
1 Dose Tomaten
2 Tassen Reis
300 ml Gemüsebrühe
3 Eßl. Essig
1 Bund Dill
1 Teel. Zucker
1 Prise Salz und Pfeffer
3 EL saure Sahne


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