Das Magazin für Kollateralschäden innerhalb der eigenen vier Wände

Reisewege zur Modernen Kunst

Małklozata Cśćyśćlkowska ist sicherlich der Shooting-Star der deutschen Aktionskunst-Szene. Sie gehört der Gruppe "hakle feucht" an und hat bei Joseph Scheiys putzen gelernt. 2005 gewann sie den "TOI-TOI-Förderpreis" für ihre Urinsteinskulpturenreihe "GELB", ein Jahr später folgte der "Georges-Bidet-Nachwuchspreis" für die allegorische Installation "Untertasse mit Kleingeld (‚Geld stinkt nicht!’)", die danach auch auf der "doclomenta XXII" zu bestaunen war. Mit ihrer jüngsten Ausstellung "BRAUN" versucht die Exkrementionistin Cśćyśćlkowska nun mit einem Kunstprojekt, das zum Himmel stinkt, in die Analen der Kunstgeschichte einzugehen.


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Dabei baut sie auf die hingebungsvolle Ausdruckskraft ihres Publikums: 30 m lange Tissue-Papierrollen laden die Gäste der kotbusser Galerie "kack-factory" ein, ihr Innerstes nach Außen zu kehren und auf Papier zu bringen. In diesem kreativen Akt der Veräußerlichung sieht Cśćyśćlkowska eine symbolische Wiederholung der Darreichung des biblischen Pferdeapfels durch Eva Herman, die dem Baum für immer seine Unschuld geraubt hatte. Dieser Verlust geht in engen und sterilen Einzelzellen vonstatten (Stammheim lässt hier grüßen). Dadurch soll die Wahrnehmung des In-der-Welt-Seins vom Hier-und-jetzt des Unter-Druck-Seins zum Wisch-und-weg des Erleichtert-Seins transzendiert werden. Das Ritual wird mit einer kultischen Reinigung, dem sogenannten "Im-Klo-runter" abgeschlossen. Symbolisch muss das orphische Elaborat des Künstlers nun erst den Kanalisations-Styx queren, ehe es quasi wiederauferstanden in den Filterkammern der lokalen Kläranlage besichtigt werden kann.

Die zahlreichen Vorwürfe von empörten Greenpeace-Aktivisten, Veganern, Koprophobisten, Ikonoklasten und Veronica Ferres, dass Csyszlkowska mit dieser Aktion den Tropischen Regenwald vernichte, konterte die 32-jährige mit der Gelassenheit einer analfixierter Hobbyklofrau: "Sarrazin hat Millionen von Bücherseiten mit brauner Masse gefüllt verkauft – und wurde dafür gefeiert!" Ein zweilagiges Recyclingpapier lehnte Cśćyśćlkowska mit der Begründung ab, dass ihr die handwerkliche Qualität ihrer Kunst nicht scheißegal sein könne.

"Kunst gehört in die Latrine!", forderte die streitbare Meisterin der probiotischen Darmkultur auf ihrer Vernissarsch, zu der sich zahlreiche illustre Ehrengäste wie Charlotte Roche eingefunden hatten. Cśćyśćlkowska betonte: "Diese Aktion beweist, dass Moderne Kunst dem Zeitgenossen nicht zwingend am Arsch vorbeigehen muss!"


Małklozata Cśćyśćlkowska: "BRAUN. denken – fühlen – handeln"
noch bis zum 20. März in der Galerie "kack-factory” in Kotbus.

Weitere Termine:

15. April – 08. Mai: Kloakenfurt (A), "Dixie-Klo am Wanderweg No.5"
27. Mai – 19. Juni: Drückeburg, "Behinderten-WC im Rathaus"
01. Juli – 31. Juli: Hangover, "EX-PO-KLO"
20. August – 02. September: Arschaffenburg, "Bahnhofs-Klo"
23. September – 23. Oktober: Schüssel (B), "Aromium"
18. November – 18. Dezember: Poposen (PL), "Central-WC der Solidarśćiść"

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