Das Magazin für Sozialschmarotzer und sonstiges Gesinde

Gelbe Zeiten, schwarze Zeiten ...

Protokoll einer Hassliebe

OKTOBER 2009: "Ach, du heiliger Kohl, schon wieder nicht aufgepasst!" – Angelas Schwangerschaftstest zeigt schwarz-gelb. Damit ihres Geistes Kind einen nachgiebigen Vater bekommt, heiratet sie prompt den Anwalt Guido, der ihr mehr Netto vom Brutto verspricht. Der mit Spannung erwartete Vermählungskuss dauert handgestoppt sogar noch fünf Minuten länger als Bruderküsse zwischen Honecker und Breschnew. Als Hochzeitsgeschenke gibt es eine steuergünstige Hotelsuite sowie Freiflüge für alle Freidemokraten, und einen sinnvollen Koalitionsvertrag schenkt man sich gleich.

IRGENDWANN 2010: Guido hat inzwischen einen Job als Außendienstmitarbeiter angenommen und ist nur noch selten zu Hause. Wenn er mal frei hat, nimmt Angela ihn auf den Schoß und krault ihm gedankenverloren die Eier. "Ach, dass es so schön sein kann ... Du bist der erste Mann, bei dem ich mich so richtig als Frau fühlen kann!" grunzt er dann zufrieden und zwitschert glücklich eine spätrömische Kadenz vor sich her. Wenn er wieder auf Handelsreisen ist, holt Angela den Seehofer aus dem Schrank und lässt sich von ihm zeigen, was so richtig mehr Netto vom Brutto ist.

MAI 2011: Alle Unions-Kinder spielen im Sandkasten Schiffe versenken, nur der kleine Guido steht abseits und flennt. Die anderen Kinder lassen ihn nicht mitspielen – weil er so anders ist. Der kleine Guido mag nämlich keine Mädchen. Der kleine Guido liebt stattdessen das Großkapital. Angela will nun auch nicht mehr mit dem kleinen Guido zusammenwohnen. Guido kann ihr nicht geben, was ihr andere Männer geben können: Nächstenliebe. Also liebt sie den nächsten und zieht mit dem kleinen Philipp, dem Nerd aus dem Nachbarhaus, um die Häuser.

SEPTEMBER 2011: CDU und FDP einigen sich im Streit um die Euro-Bonds. Demnach stimmen die Liberalen den Euro-Bonds zu, wenn Guido den neuen Euro-Bond spielen darf. Auf die geschmacklose Bemerkung eines CSU-Hinterbänklers: "Solange Guido schüttelt, sollte sich von uns keiner rühren", reagiert Philipp mit Liebesentzug. Angela muss die nächsten sechs Nächte auf dem Sofa schlafen.

OKTOBER 2011: Um sich für die Schmach zu rächen, verkündet Philipp einseitig Steuersenkungen und Freibier für alle. Schäuble dreht ihm daraufhin den Taschengeldhahn zu. Um sein Gesicht zu wahren, bietet Philipp der CDU an, die Steuerpläne mit dem Kriegsbeil zusammen zu begraben, wenn die Mehreinnahmen des Bundes dem Gemeinwohl zu gute kämen. Also einigt man sich auf eine satte Erhöhung der Diäten.

NOVEMBER 2011: Ein ungewolltes Malheur im Hause Merkel: Philipp hat aus Versehen sämtliche Hosenanzüge seiner Partnerin auf 90° C gewaschen. Um weiterhin die Hosen in ihrer Beziehung anzubehalten, trägt Angela die Beinkleider nun als Shorts auf und wird von der "Brigitte" zur "bestangezogenen Bundeskanzlerin" aller Zeiten gewählt. Aus Rache nagelt Merkel Philipps inneren Schweinehund an ihren inneren Bundesparteitag und verbietet ihm, weiterhin mit seinen Atomkraftwerken zu spielen.

DEZEMBER 2011: Die kleine Sabine aus dem Justizministerium leidet plötzlich unter Paranoia. Irgend jemand hat ihr einen Zettel an den Rücken gepinnt: "Ich werde rund um die Uhr observiert!" Als sie beim Besuch der Bundestagskantine ein Mikrophon in ihrer Erbsensuppe entdeckt, verliert sie die Nerven und stimmt einem Anti-Terror-Gesetz der CDU zu, das es den Staatsschützern künftig erlaubt, alle Terrorverdächtigen ohne Anhörung standrechtlich zu erschießen. Philipp schwänzt daraufhin die Ehetherapie.

JANUAR 2011: Sabine bekommt den Tipp eines Informanten und setzt sich gerade noch rechtzeitig nach Kuba ab. In Köpenick gehen gelbe und schwarze Horden aufeinander los. Schäuble bemerkt nach einer spätabendlichen Kabinettssitzung nicht, dass ihm ein Unbekannter die Bremskabel seines Rollstuhls durchtrennt hat. Er kann erst in Neukölln von der Berliner Polizei gestoppt werden. Da der Einsatzleiter FDP-Mitglied ist, lässt er den frierenden Finanzminister einfach mitten auf der Karl-Marx-Straße sitzen und klebt ihm ein Schild auf den Rücken: "Mir ist kalt!"

FEBRUAR 2011: "Armageddon im Bundestag! Merkel spielt nun selbst den neuen Bond, Rösler grinst seit 5:45 Uhr zurück, Seehofer wird vom liberalen Papiertiger gefressen!" Angela lässt die Bild-Zeitung sinken und bläst Philipp den schalen Rauch ihrer ersten Morgenkippe ins Gesicht. Dieser traut sich nicht, ihr in die Augen zu sehen, starrt stattdessen verkrampft in seinen Kaffeebecher, so als ob er in seinem Koffeinspiegel den korrekten Sitz seiner Lockenwickler kontrollieren wolle. Keiner der beiden sagt ein einziges Wort. Sie wissen auch so, dass sie von nun an getrennte Wege gehen werden. Am nächsten Tag stellt Angela auf der schneebedeckten Wiese vor dem abgebrannten Reichstag die Vertrauensfrage und scheitert, weil sie sich nach Einsatz des Fifty-fifty-Jokers für Antwort a) "Rhetorische Lammkeule" statt c) "Parlamentarischer Hammelsprung" entscheidet. Die Neuwahlen werden auf den April 2012 terminiert.

APRIL 2011: Die Bundestagswahlen sind spannend wie nie, ergeben aber keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Während alle mit einer großen Koalition rechnen, erklären die Spitzen von CDU und FDP, dass dieses Ergebnis ein ganz klares Wählervotum für Schwarz-Gelb darstelle, und dass man sich dem Wunsch des Wählers natürlich leckmichgerne beugen werde. Der mit Spannung erwartete Vermählungskuss dauert handgestoppt sogar noch drei Sekunden weniger als der von William und Kate. Und damit diesmal alles anders wird, stärken sich die Jungevermählten gegenseitig den Rücken – mit kleinen Scherz-Zetteln, die sie dem Partner unbemerkt anheften. "Angela ist ein machtgeiles Luder!" steht auf dem einen. Und bei Philipp: "Mag schon sein. Aber im Gegensatz zu dir weiß ich wenigstens, dass ich mit so einem blöden Zettel auf dem Rücken durch die Gegend laufe."

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