Das Magazin für die deutsche Frühstückspause

Unsere gemeine Farm

Lange Zeit galten die Ingalls aus der beliebten US-amerikanischen Serie "Unsere kleine Farm" als Vorzeigefamilie für Moral und Anstand. Kürzlich veröffentlichte Tondokumente lassen die heile Fassade jedoch bröckeln. Die Aufnahme entstand zufällig, weil ein Studiotechniker nach Drehschluss vergessen hatte, die Tonaufnahme zu beenden. Nach mehr als 30 Jahren entdeckte eine Filmstudentin den lange verschollenen Tonbandschnipsel, als sie in die Archive von NBC einbrach, um einem anonymen Hinweis der Terrorgruppe "Little Violence on the Prairie" nachzugehen. Hier der komplette Mitschnitt:

Klappe.
Regisseur: "Aus! Vielen Dank, das war's für heute."
Laura Ingalls will sich vom Set entfernen.
Pa Ingalls: "Wo wollen wir denn so schnell hin, kleines Fräulein?"
Laura Ingalls: "Aber Pa, ich wollte doch nur auf mein Zimmer gehen, um meine Hausaufgaben zu machen ..."
Pa Ingalls: "Nichts da, du weißt doch, dass dich Mr. Oleson gleich noch besuchen kommt."
Laura Ingalls: "Muss das sein? Das ist schon das dritte Mal diese Woche ..."
Pa Ingalls: "Müssen wir diese Diskussion jedes Mal führen? Hat Euch Reverend Alden im Konfirmationsunterricht nicht beigebracht, dass man seinem Vater nicht widerspricht?"
Laura Ingalls: "Ja, aber er hat auch gesagt, dass es unrecht und widernatürlich sei, was Mr. Oleson mit kleinen Mädchen anstellt."
Pa Ingalls: "Das wundert mich nicht, dass Reverend Alden so redet. Er wandelt ja auf den Pfaden männlicher Tugend. Oder soll ich sagen: männlicher Jugend? Hast du dich noch nie gefragt, warum dein Freund Willie so verhaltensgestört ist?"
Laura Ingalls: "Es geht mir heute aber wirklich nicht besonders gut. Wenn Mary vielleicht mal für mich einspringen könnte?"
Pa Ingalls: "Weißt du noch, wie du dir vor einigen Monaten diese gottlose Franzosenkrankheit eingefangen hattest? Als Mary für dich aushelfen sollte, war Mr. Oleson außer sich vor Zorn. Er sagte, er könne es nicht ertragen, wenn er beim Zusammensein in ihre blinden, kalten Augen schauen müsse. Ich konnte ihn beschwichtigen, doch seitdem beißt Bandit wild um sich, wenn ein Mann ihm zu Nahe kommt."
Laura Ingalls: "Aber Pa, wenn ...!"
Pa Ingalls: "Schluss! Wenn du jetzt nicht sofort mit Mr. Oleson in die Scheune gehst, hast du für die nächsten zwei Wochen Hausarrest."
Laura Ingalls: "Ja, Sir ..."
Lässt den Kopf hängen und unterdrückt ein Schluchzen. Pa Ingalls streichelt ihr versöhnlich über den Kopf.
Pa Ingalls: "Komm schon, Spitz, so schlimm wird es nicht werden."
Laura geht weinend in die Scheune.
Ma Ingalls: "Warum muss Gott uns immer so hart prüfen?"
Pa Ingalls: "Du weißt ganz genau, dass wir auf das Geld angewiesen sind. Zuerst die Reise zur Konferenz der Vereinigung der Farmer, dann die Hühner, die uns der Dieb von Walnut Grove gestohlen hat, und als Krönung des Ganzen auch noch die Blindenschule für Mary. Dieser miese, kleine Drehbuchschreiber, den du Gott nennst, hat ja keine Ahnung, wie schwierig es ist, sich im 19. Jahrhundert in der amerikanischen Einöde durchzuschlagen. Weißt du noch, wie er auf die unsinnige Idee kam, uns in den Urlaub nach Mancota zu schicken? Als wir zurück kamen, stapelten sich hier so viele unbezahlte Rechnungen, dass wir unseren Erstgeborenen an eine Baumwollplantage verkaufen mussten. Zum Glück hat der Produzent das dann so gedreht, als ob er an einer schweren Krankheit gestorben wäre. Und? Hat Gott irgend etwas aus seinem Fehler gelernt? Nein, kaum hatten wir das Geld für unseren Stammhalter bekommen, musste ich es auch schon wieder für sinnlose, aber herzige Weihnachtsgeschenke ausgeben."
Ma Ingalls: "Und wenn wir vielleicht mal Mr. Edwards fragen, ob er eine Neigung zu unseren Töchtern verspüren würde? Nels stellt immer so unaussprechliche Dinge mit ihnen an."
Pa Ingalls: "Isaiah? Selbst wenn der alte Saufbold könnte, wie er wollte: er hat einfach nicht genug Geld, um uns aus der Patsche zu helfen. Kopf hoch: es schadet unserem Dreikäsehoch nicht, frühzeitig zu lernen, was es heißt, im Leben Verantwortung zu tragen. Hart arbeitende Menschen sind Gott die liebsten Menschen."
Ma Ingalls: "Kann Laura dann nicht vielleicht lieber Zeitungen austragen?"
Pa Ingalls: "Hier braucht niemand eine Zeitung. Sobald der Regisseur Feierabend macht, sind alle Einwohner von Walnut Grove mit einem Schlage wieder die alten, tumben Analphabeten, die eine Zeitung höchsten dann gebrauchen könnten, wenn ihre Geschäfte gut gingen, falls du verstehst, was ich damit sagen will ..."
Carrie Ingalls kommt in die Wohnstube gelaufen.
Carrie Ingalls: "Ma! Pa! Was machen Laura und Mr. Oleson da in der Scheune?"
Ma Ingalls: "Sie spielen Doktor, mein Engel."
Carrie Ingalls: "Darf ich auch mitspielen?"
Pa Ingalls: "Das geht jetzt nicht. Du musst deiner Mutter dabei helfen, deine Lieblingshenne zu schlachten."
Ma Ingalls
zu Carrie gewandt:
"Geh schon mal vor, ich komme gleich nach."
Carrie geht in den Schuppen, um sich ein Hackebeil zu holen.
Ma Ingalls: "Eines noch, Charles: Warum nennst du Laura eigentlich immer Spitz?"
Pa Ingalls: "Na ja, Nels Oleson ist nicht der einzige von uns beiden, der spitz auf sie ist ..."
Hier endet die Aufzeichnung.

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