Das Magazin für Kollateralschäden innerhalb der eigenen vier Wände

Chrissy ist doof

Wie man ein echtes Goethe-Manuskript von kein echtes Goethe-Manuskript unterscheidet


Als Müllwerker im Frühjahr dieses Jahres in einem Papierkorb der "Dieter Hünerkoch" Gesamtschule in Buxtehude einen sensationellen Fund machten, konnte die Fachwelt ihr Glück kaum fassen: Ein lange verschollenes Manuskript aus der Feder Johann Wolfgang Goethes wurde von den Männern in Orange irgendwo zwischen weggeworfenen Pausenbroten, Einwegspritzen und gebrauchten Kondomen aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Doch es sollte nicht lange dauern, da meldeten sich Skeptiker, Neider und Besserwisser zu Wort, die die Echtheit des literarischen Kleinods anzweifelten. Anhand der folgenden lückenlosen Beweisführung soll exemplarisch gezeigt werden, wie auch man ein Goethe-Manuskript vom üblichen Hausmüll unterscheiden kann.



Zum Vergrößern anklicken >>>

1. Das Papier:

Es handelt sich in diesem Fall um kleinkariertes Papier und spiegelt den Geist der Aufklärung wieder.

2. Die Sprache:

Bevor Herr Duden dem Licht der Welt Ornithographie beibrachte, haben die Literaten geschrieben, wie ihnen der Schnabel gewachsen war. Das galt auch für Goethe: Was heute als Rechtschreibschwäche diagnostiziert werden würde, ging damals als sinnenfrohes hessisches Gebabbele durch.

3) Geheimnisvolle Farbe:

Goethe hat nicht nur das Goethebarometer, die Farbenlehre, Käsekästchen und den Zwischenkieferknochen erfunden. Dieses Dokument beweist, dass er auch eine Farbe entwickelt hat, die sogar im Dunkeln leuchtet. Das ist vor allem nachts nützlich.

4) Vier gestanzte Löcher:

Als Logenmitglied verwendete Goethe häufig Freimaurer-Symbole in seinen Texten. Die vier gestanzten Löcher am Seitenrand bedeuten soviel wie: "Ole, wir fahr’n in Puff nach Barcelona".

5) Faust – Urfassung:

Gedanken zu mein Lieplingsbuch
Tweileigth

Das Buch handelt von 1 untoten Menschen oder sowas in der art, der immer sehr waise ist und aber auch etwas traurig und sehr pessemystisch weil er von dem Fürst der Finsterniss zu sowas gemacht wurde. Zum sein Glück lernt er aber eine endzückende Frau Mädchen kennen, das heist Bella und er Edward. Die beiden werden schwanger voneinander. Besonders hüpsch find ich, wie er sagt "Alle Zeit der Welt mit dir wäre nicht genug, aber beginnen wir mit für immer." Weil das ist ja so romantisch.

Analysen haben gezeigt, dass die Handschrift frappierende Ähnlichkeit mit der Sauklaue einer 15-jährigen Schülerin namens Jessica Wolter aufweist. Goethe hat sich scheinbar einen Spaß daraus gemacht, die Schrift anderer Menschen zu parodieren.

Inhaltlich handelt es sich um Notizen zum "Faust" (Arbeitstitel: "Tweileigth"). Heinrich Faust heißt in diesem Entwicklungsstadium noch Edward, Gretchen hört auf den Namen Bella. Die Umbenennung wird praktische Gründe gehabt haben, da Bella sich schlecht die Gretchenfrage stellen konnte. Aus "Alle Zeit der Welt mit dir wäre nicht genug, aber beginnen wir mit für immer" wurde später der berühmte Ausspruch "Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!" Goethe selbst schien sein Meisterwerk übrigens nichts als klassisch, sondern als romantisch einzuordnen.

6) Notiz:

J.W. ist geistig besorgniserregend zurückgeblieben und sollte sich ärztlich untersuchen lassen.

Hier spricht Johann Wolfgangs Alter Ego pikanterweise in der Handschrift von Franz Kafka über eine Erkrankung, die ihn in seinem Schaffens-Prozess hemmte. Litt Goethe möglicherweise unter Burn Out? Hatte er Minderwertigkeitskomplexe gegenüber Kafka?

7) Gedicht:

Schillerlocken -> Blädderteig
Hagelzucker
Eier
Schockoladenglasur

Die Verwendung des Versmaßes, den sogenannten "Calenberger Pfannenschlag" (eins links, eins rechts und voll in die Fresse), gestattet eine exakte Datierung für 12:23 Uhr MESZ.

Goethe äußerte sich des öfteren scherzhaft über die Vorliebe seines Spezls Schiller für Schokolade. In einem "Brief an Neckermann", der 2009 in einem Neckermann-Reisebüro auf der Rückseite einer Zigarettenschachtel gefunden wurde, schrieb er: "Der Typ ist einfach Schoki, ey!" Die Überschrift "Schillerlocken" deutet darauf hin, dass Goethe seinen Busenfreund gerne skalpieren wollte. Die heutige Schriftsteller-Generation sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

8) Geheimnisvolle Zahlen:

01577 – 8909960

Die erste Zahlenkolonne verweist auf den 7. Vers des 5. Kapitels aus dem 01. Buch "Timotheus", der aus exakt sieben Worten besteht: "Solches gebiete, auf dass sie untadelig seien." Die zweite bezieht sich auf das 890. Buch "Larry", Kapitel 99: Vers 6, wo geschrieben steht: "Heute blau und morgen blau", was absolut 0 Sinn ergibt. Es wird die Aufgabe der Literaturwissenschaft des XXI. Jahrhunderts sein, Goethes Gesamtwerk unter dem Aspekt dieser beiden Bibelzitate völlig neu zu interpretieren.

9) Aphorismus und Porträt:

Chrissy ist doof und hat kleine Titten.

Diese scheinbare Randnotiz wurde zu 23% vom Eselsohr in der rechten unteren Ecke verdeckt, konnte aber mit Hilfe der Computertomographie sichtbar gemacht werden.

Bei "Chrissy" handelt es sich um seine spätere Ehefrau Christiane Vulpius, wie das eigenhändig angefertigte, liebevolle Bleistiftporträt neben der Eintragung zweifelsfrei beweist. Offensichtlich hatte Chrissy mal wieder ihre Tage und Goethe liebte neben des Pudels Kern auch dicke Möpse.

10) Echtheitssiegel:

Goethe selbst hat dieses Manuskript mit einem "Original Werthers Echte" verklebt, um für die Authentizität zu bürgen. Da leider keine Speichelprobe von ihm erhalten geblieben ist, hat das Labor drei Vergleichsproben vom Autor dieses Artikels, vom Laborassistenten und von einem zufällig ausgewählten Passanten durchgeführt, die allesamt negativ ausfielen. Es gilt daher als gesichert, dass es sich tatsächlich um Goethes Bonscher handelt.

Sie sind der 565568055. Besucher seit Schopenhauer.   

Impressum


Vorheriger Artikel  : Vorheriger Monat

Impressum