Das Magazin für Jugendliche in der Midlife-Crisis

Drum singe, wem Verstand gegeben

Beim untauglichen Versuch, das kulturelle Erbe eines Dichter-und-Denkervolkes mit nordamerikanischen Big-Band-Weisen zu unterlegen und mit einer pseudoemanzipatorischen Botschaft auszustatten, wurde der selbsternannte Sänger und Idol der Hamburger Krämerseele Roger Cicero beim letztjährigen "Eurovision Song Contest" bekanntlich nur schlechter Neunzehnter - der vorläufige Tiefpunkt in einer Reihe desaströser deutscher Auftritte beim wichtigsten Musikwettbewerb der Menschheit.

Im angestrengt wirkenden Bestreben, aus diesem als nationale Schmach empfundenen Jammertal der der Erfolglosigkeit emporzusteigen, wurde gestern beim Deutschen Vorentscheid alles aufgeboten, was sich für die zu erwartende Blamage nicht zu schade ist: ein paar urdeutsche Möchtegerniberer, deren rassige Rhythmen nach Sangria, Strand und Geschlechtskrankheiten schmecken und deren Auftritt einem spanisch vorkommen muß, eine zweitklassige Musicalsängerin, deren letztes Großereignis nach dem Scheitern am gestrigen Abend wahrscheinlich ihre bevorstehende Menopause sein wird, ein melancholisch dreinblickender Jüngling, dessen einziges unbestreitbares Talent darin zu bestehen scheint, daß er definitiv keinen bleibenden Eindruck hinterläßt und ein paar als Teenager verkleidete Teenager, die bewiesen haben, daß man nicht unbedingt bei einer Casting-Show entdeckt werden muß, um nicht singen zu können. Als Repräsentanten deutscher Sinnlosigkeit wurde schließlich die Exgirlband No Angels (optisches Motto: Wir sind für jeden was zum Drauflegen) gewählt, die mit dem Song "Dissapear" wahrscheinlich ihre eigene zukünftige mediale Präsenz besungen haben. Prognose für Belgrad: "Germany - no points for nothing!"

Dabei wäre es so einfach, ein Siegerlied zu komponieren, wenn man nur seinen Verstand gebraucht. Denn merke: Von Siegern lernen, heißt siegen lernen! Mit einem handelsüblichen Zufallsgenerator für Liedverse, wie er in jedem Musikgeschäft schon für läppige 3 Mio.,00 EUR angeboten wird, ist es ein leichtes, aus dem Fundus ehemaliger Gewinnersongtexte* ein neues Siegerlied zu kreieren. Da es die Botschaften verschiedenster Lieder in sich vereint, steigert sich seine Aussagekraft gegenüber seinen Eltern sogar um ein vielfaches: ein Hypergewinnersong, eine Menschheitshymne, ein Meilenstein der Fahrstuhlmusik ist geboren.

Drücken Sie einfach auf dem Knopf und Sie haben vielleicht das Gewinnerlied des nächsten "Eurovision Song Contest" gedichtet:



*Besonderem Dank gilt Horst Leidig, der die schmerzhafte Drecksarbeit übernommen hat, diese Verbrechen am menschlichen Verstand auf seiner Seite www.horstleidig.de zu sammeln

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