Das Magazin für Ziellose und solche, die es werden wollen

"Menschen inbegriffen"

Die Highlights der diesjährigen dOCUMENTA




Oi Yoiyoi:
HUND – KATZE – MAUS
(Die M11-Maschine)

Oi Yoiyoi (Volksrepublik China)

HUND – KATZE – MAUS
(Die M11-Maschine)

Der chinesische Rezeptkünstler Oi Yoiyoi, der von seiner Regierung wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Vorwurfslosigkeit in Vorbeugehaft genommen wurde, klagt mit seiner Installation die unmenschlichen Haftbedingungen befreundeter Vierbeiner in westeuropäischen Chinarestaurants an. Doch auch unausgegorene Gar- und Ungarheiten aus einheimischen Garküchen kriegen ihr Fett weg: "Nachts sind alle Katzen glau!", ladeblecht der schweißfussgeplagte Yoiyoi, "Vol allem, wenn sie zu lange dulchgekocht wolden sind." Da wird der Mops in der Pfanne verrückt, und da beißt die Maus keinen Faden mehr ab – es sei denn, man wickelt sie mit Küchengarn zu einer Roulade. Diese Vision teilt und respektiert die Formen und Praktiken des Wissens aller belebten und unbelebten Produzenten der Welt, Menschen inbegriffen.




Amoebia Grütze-Haferpömps:
Mit den Waffen einer Frau

Amoebia Grütze-Haferpömps (BR Deutschland)

Mit den Waffen einer Frau

Küchenreibe, Plätzchenform, Parfümflakon und Korrekturmaus – so kennen wir sie: Die klassischen Waffen einer Frau. Doch wie passt der ausgelatschte Schuhlöffel in dieses abgegriffene Klischee? Die ehemalige F.K.-Wächter–Stalkerin Amoebia Grütze-Haferpömps, die bei Joseph Beuys Schlittschuhlaufen gelernt hat und sich mit dem bekannten chinesischen Zweiphasenpräparator Oi Yoiyoi einen Wok teilt, weiht uns in die Geheimnisse weiblicher Abgründigkeit ein: "Pfefferspray geht natürlich leichter ins Auge, aber wenn du den Schuhlöffel erst mal drin hast, wird dich der Angreifer garantiert nie mehr schief von der Seite angucken." Diese Vision teilt und respektiert die Formen und Praktiken des Wissens aller belebten und unbelebten Produzenten der Welt, Menschen inbegriffen.




Cliff Joons:
[ohne Titel]

Cliff Joons (USA)

[ohne Titel]

Wie in seinen vorherigen Arbeiten geht es dem amerikanischen Kitschkünstler (bzw. Kunstkitschler) Cliff Joons darum, dies und das, Jacke wie Hose und was willste mehr zu zeigen. Damit man seine Werke, die allesamt den Titel "[ohne Titel]" tragen, nicht miteinander verwechseln kann, ist Joons im Laufe der Jahre dazu übergegangen, immer wieder die gleiche Skulptur zu schaffen. Stimmen, die ihm vorwerfen, sein Œuvre bei der gelernten Grobmetaphorikerin Amoebia Grütze-Haferpömps abgekupfert zu haben, erstarben schon nach kurzer Zeit, denn alle Kritiker verschieden zügig an den Folgen einer rätselhaften Treppensturz-Epidemie. Ihre Grabsteine ziert die Inschrift "[ohne Titel]". Diese Vision teilt und respektiert die Formen und Praktiken des Wissens aller belebten und unbelebten Produzenten der Welt, Menschen inbegriffen.




Tilman:
Wie versaue ich mir den gold€nen Schnitt?
(How do I piggy me the gold€n cut?)

Tilman (BR Deutschland)

Wie versaue ich mir den gold€nen Schnitt?
(How do I piggy me the gold€n cut?)

Mit seiner Videoinstallation zieht der Elefant terrible der Deutschen Kunstszene Tilman, dessen Geburtsname eigentlich Tilmann ist, seiner Zeit den Zahn. In seinem einbildrigen Film (Tilman nennt dieses spezielle Videoverfahren "nonsequent"), der rechtzeitig zu den Frankfurter Bankfestspielen fertiggestellt wurde, spart er nicht mit ätzender Kapitalismuskritik und geißelt dabei insbesondere die Arbeit seines US-amerikanischen Künstlerkollegen Cliff Joons, dem er vorwirft, eine "Kunstnutte" zu sein und das Kind mit dem Bade zu verkaufen. Tenor seines mehrfach ausgepfiffenen Werks: "Die dOCUMENTA ist Wallstreet mit anderen Mitteln." Diese Vision teilt und respektiert die Formen und Praktiken des Wissens aller belebten und unbelebten Produzenten der Welt, Menschen inbegriffen.

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